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Obedience Beginnerklasse PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 15. März 2008 um 16:13 Uhr
Obedience wird nie langweilig, denn selbst die Prüfungen laufen nur bedingt nach einem Schema ab. Klar sind die geforderten Übungen vorgegeben, aber Leinenführigkeit und Freifolge werden zum Beispiel auf direkte Ansage nach einem Laufschema ausgeführt, welches sich der Steward für diesen Prüfungstag ausgedacht hat. Beim nächsten Turnier sieht es wieder ganz anders aus. Das festgelegte Begleithund-Schema kann im Obediencesport – bitte erst nach der BH-Prüfung – getrost vergessen werden.

Zur Veranschaulichung soll hier im Wesentlichen auf die Übungen der Beginnerklasse detailierter eingegangen werden, die Schwierigkeitsgrade – und damit Punktabzüge für unsauberes Arbeiten – steigen mit den jeweils höheren Klassen.
Die gesteigerten Anforderungen in den Klassen 1 bis 3 beinhalten beispielsweise den Metallapport, Sitzen und Liegen ohne Sichtkontakt, Apportieren über die Hürde, Sitz, Platz, Steh aus der Bewegung, Abrufen mit bis zu 2 Zwischenstopps, Geruchsunterscheidung etc. kurz viel Arbeit und Geduld mit dem Hund, bis zum Erreichen der Klasse 3 gehen durchaus ein paar Jahre ins Land.

Beginnerklasse
Hier eine kurze Zusammenfassung der Anforderungen aus der Beginnerklasse, es sind 10 (in Wirklichkeit 11) Übungen gefordert:

Von allen Prüfungsteilnehmern der Beginner Klasse werden die ersten vier Übungen gemeinsam in der Gruppe durchgeführt:

1. Übung "Verhalten gegenüber anderen Hunden"
Eine Pflichtübung: die Prüflinge nehmen in einer Reihe Aufstellung und dann muß jeder, im Abstand von etwa 1 m, einmal vor und hinter den anderen Hunden vorbeigehen. Die Hunde dürfen auf keine Fall aggressiv werden, sonst werden sie disqualifiziert und von der weiteren Prüfung ausgeschlossen.

2. Übung "Stehen und Betasten"
Ebenfalls Pflichtübung: die Teams treten einzeln vor, der Hund bekommt das Hörzeichen "Steh" und der Hundeführer tritt mit der Leine in der Hand etwas beiseite. Der Leistungsrichter tritt nun an den Hund heran und betastet ihn von allen Seiten, ähnlich wie bei Ausstellungen. Der Hund darf auch hier auf keinen Fall aggressiv reagieren, sondern sollte auf der Stelle stehen bleiben und es sich freundlich gefallen lassen. Nicht hüpfen, freuen, hinsetzen oder dem Richter über das Gesicht sabbern - frei nach dem Motto ein Küsschen bringt uns weiter. Nach dem Betasten tritt der Hundeführer wieder an seine Hund heran und gibt das Hörzeichen zur Grundstellung, heißt Hund setzt sich wieder hin.

3. Übung "Gebiß zeigen"
Auf Anweisung des Stewards zeigt der HF durch anheben der Lefzen des Hundes das Gebiss, wobei die Vorderseite des Gebisses geschlossen sein muss und die Seite vollständig sichtbar sein soll. Der Hund soll dabei sitzen.
Wir müssen also die Frontpartie des Gebisses und die beiden Seitenpartien einzeln zeigen und ein bißchen in den Lefzen wühlen. Man muß darauf achten, dass man dem Leistungsrichter nicht mit seinem eigenen Hinterkopf die Sicht versperrt, schließlich soll er ja gucken, der Kopf des Hundes sollte jeweils so gedreht sein, dass der Leistungsrichter aus seiner Frontposition das Gebiß gut sehen kann und nicht von einer Seite zur anderen gehen muß.

4. Übung "Gruppenablage"
Die Teams nehmen in Grundstellung in etwa drei Metern Abstand zueinander in einer Reihe Aufstellung, die Hunde werden abgeleint und entweder nacheinander oder zusammen auf Richteranweisung ins Platz gebracht. Danach entfernen sich die Hundeführer gleichzeitig etwa 20 m vor die Hunde und drehen sich um. Dort bleiben sie 2 Minuten stehen, kehren danach zu den Hunden zurück und bringen sie wieder einzeln in die Grundstellung. Diese Übung muß wirklich so trainiert werden, denn viele Hunde neigen dazu, sich bereits beim Hörzeichen "Platz" des Nachbarn mit hinzulegen oder beim Abholen vor dem eigentlichen Hörzeichen ins "Sitz" zu kommen. Nach dieser Übung verlassen bis auf das erste alle Teams den Prüfungsplatz, denn die nun folgenden Übungen werden von den Einzelteams gezeigt.

5. Übung „Leinenführigkeit“ – in Beginner und Klasse 1 gefordert, ab Klasse 2 nur noch ohne Leine.
Das Laufschema erfolgt immer auf Ansage des Stewards, der Leistungsrichter bleibt dabei nicht (wie bei der BH) an einem Ort stehen und guckt sich das aus der Entfernung an, sondern er folgt dem Team in geringem Abstand zwecks Bewertung.
Hörzeichen sind nur beim Angehen nach einem Halt gestattet, nicht beim Richtungswechsel. In der Beginner-Klasse kann alles noch im normalen Tempo gezeigt werden. Laufschritt und langsamer Schritt werden erst ab Klasse 1 verlangt.
Der Steward kann die Kommandos "Vorwärts", "Links", "Rechts", "Rechtsumkehrt", "Linksumkehrt" und "Halt" geben. "Vorwärts" und "Halt" sind klar, der Hund soll sich beim Halt selbständig setzen. "Rechts" und "Links" sind 90 Grad Winkel, "Rechtsumkehrt" ist eine 180 Grad Wendung mit dem Hund, "Linksumkehrt" ist ebenfalls eine 180 Grad Wendung, nur links herum, wobei es eine "echte" Linkswende ist, das heißt, der Hund bleibt bei Fuß auf der linken Seite, wie bei der IPO und geht nicht wie bei der BH außen herum entgegen dem Hundeführer.

Frauen haben hier manchmal, zugegebenermassen kleine, im Grunde genommen vernachlässigbare Probleme mit RECHTS und LINKS……
Wenn der Steward "Rechts" sagt und ihr (aus Versehen natürlich oder weil da ein Maulwurfhügel war oder eine Unebenheit über die der Hund hätte stürzen können) "Links" geht, tut einfach so als habt ihr "Links" verstanden, es gibt keinen Punktabzug, auf keinen Fall entschuldigen oder doch rechts gehen oder gar in Tränen ausbrechen. Der Steward muß euch wieder auf den rechten Weg bringen.

Alle Hunde einer Klasse gehen an diesem Prüfungstag das gleiche Schema, damit es für den Richter vergleichbar ist. Auf jeden Fall sollte man diese Prüfungssituation trainieren, also jemanden bitten, den Richter/Steward zu spielen, um erstens das korrekte rechts und links zu testen, und zweitens den Hund daran zu gewöhnen, dass da ständig einer hinterherrennt.
Die Leinenführigkeit endet mit einem Halt in der Grundstellung, der Hundeführer bekommt das Zeichen, den Hund abzuleinen und dann beginnt das Spielchen von vorn in der Freifolge.

6. Übung „Freifolge
Hier gelten die gleichen Regeln, es werden die gleichen Kommandos gegeben, aber es handelt sich bei den Beginnern um eine Pflichtübung. Sollte der Hund während der gesamten Freifolge zurückhängen oder weit ab folgen, können keine Punkte vergeben werden, also ist das Team durchgefallen, auch wenn die übrigen Übungen hervorragend waren.

7. Übung „Sitz aus der Bewegung
Diese Übung wird fast wie in der BH gefordert und sollte daher kein Problem darstellen. Ein Unterschied besteht nur darin, dass der Steward ansagt wo das "Sitz" ausgeführt wird. Der Hundeführer gibt das Hörzeichen also nicht selbständig nach den bekannten 12 Schritten.

8. und 9. Übung, die BOX, "Kommen auf Befehl" und „"Zurücksenden zum Platz
Diese beiden Übungen gehören zusammen. Zunächst bekommt der Hundeführer die Anweisung, den Hund in einem Viereck aus Pylonen abzulegen. Neben den Hund wird die Leine gelegt – später liegt nichts mehr. Dann entfernt sich der Hundeführer 15 Schritte und dreht sich zu seinem Hund um. Auf Anweisung des Stewards ruft der Hundeführer nun seinen Hund, der schnell und auf dem direkten Weg kommen und vorsitzen soll. Danach wird der Hund in Grundstellung genommen und die Pflichtübung "Kommen auf Befehl" ist abgeschlossen.

Aus dieser Grundstellung heraus schließt sich jedoch die nächste Übung "Zurücksenden zum Platz" direkt an. Der Hund wird also zurück zu der Leine geschickt und soll sich dort zum Hundeführer umdrehen und auf Hörzeichen des Hundeführers wieder ins Platz legen. Liegt der Hund mehr als einen Meter von der Leine entfernt, bekommt man keine Punkte. Liegt der Hund schön bei der Leine, geht der Hundeführer hin und holt ihn ab, nimmt ihn also auf Anweisung des Stewards wieder in Grundstellung und leint ihn an.

10. Übung "Apport auf ebener Erde"
Auf Anweisung legt der HF seinen eigenen Apportiergegenstand mindestens 10 Meter in eine angegebene Richtung aus, dabei kann ein Wartehörzeichen gegeben werden. Der Hund muss neben dem HF sitzen bleiben, bis dieser ihm, auf Anweisung das Hörzeichen zum Apportieren gibt. Während des Apportierens darf der Hund nicht auf dem Gegenstand kauen oder nachfassen, das gibt Punktabzug. Der Hund muss den apportierten Gegenstand festhalten, bis der HF, auf Anweisung, dem Hund das Hörzeichen zum Loslassen gibt.
Anmerkung:
Apportiergegenstand nach Wahl des HF und wird von diesem mitgebracht. Es darf bei den Beginnern auch ein Spielzeug sein, es werden in dieser Klasse keine Gewichtsanforderungen gestellt.
Punktabzug kann erfolgen, wenn

  • der Hund schräg vor oder neben dem HF sitzt.
  • der Hund auf dem Gegenstand kaut und/oder nach fasst.
  • ein Hund den Gegenstand fallen lässt.
  • der HF den Gegenstand ohne Anweisung annimmt oder anfasst.

Als Steigerung des Schwierigkeitgrades muß beispielsweise in Klasse 3 ein Metallapport auf ebener Erde vom Hund durchgeführt und über die Hürde zurückgebracht werden.

Es muß hier hervorgehoben werden das alles wieder auf "Anweisung" passiert, es geschieht NICHTS auf eigene Initiative des Hundeführers. Wer schon einmal bei VPG-Prüfungen zugesehen hat, hat sicher bemerkt, dass der Apport oft ein Problem darstellt. Man sieht Hunde, die hinter dem geworfenen Apportierholz bereits von alleine herlaufen, dieses dann "vorsichtshalber" sofort beim Vorsitzen wieder abgenommen bekommen (bevor der Hund es fallen läßt) und die dann, sobald sie das Holz los sind, von alleine auch schnell noch in die Grundstellung gehen, denn das kommt ja jetzt sowieso, warum also warten. Geht nicht!
Diese Übung ist keine Pflichtübung und danach ist die Beginnerklasse beendet.

Die 11. "Übung" ist die "Umgang Mensch-Hund" Bewertung.
Hier bewertet der Prüfer das freudige Miteinander während der gesamten Prüfung. Es handelt sich um eine Pflichtübung, d.h. wenn der Prüfer nicht mindestens 5 (von 10) Punkten vergibt, weil er der Ansicht ist, dass der Hund nur unter Druck arbeitet o.ä., dann ist die Prüfung nicht bestanden, egal wie korrekt und hervorragend alle anderen Übungen gezeigt wurden.
Dieser "Umgang Mensch-Hund" wird in den Prüfungsstufen 1 und 2 ebenfalls bewertet, in diesen Prüfungsstufen gibt es jedoch keine Pflichtübungen mehr.

Wenn man jetzt 80 % (256 von 320 Punkten) erreicht hat, darf man in der Stufe 1 starten.

Weitere Übungen aus den höheren Klassen 1 bis 3 sind unter anderem:
Sitz – Platz – Steh – aus der Bewegung
Dabei soll sich der Hund schnell in die jeweilige Position begeben und solange ruhig liegenbleiben bis er wieder vom Hundeführer aus dem Laufen heraus abgeholt wird.

Geruchsunterscheidung aus maximal 6 Gegenständen
Eines von 6 Hölzern trägt den Geruch des Hundeführers und muß vom Hund identifiziert und apportiert werden

Distanzkontrolle
Der Hund muß verschiedene Positionswechsel – Sitz – Platz – Steh – aus der Distanz durchführen, dabei gibt der Steward an in welcher Reihenfolge die Postionswechsel durchgeführt werden müssen.

Bewertungen:
von 256,0 - 320,0 Punkte = Vorzüglich
von 224,0 - 255,5 Punkte = Sehr gut
von 192,0 - 223,5 Punkte = Gut
unter 192,0 Punkte = nicht bestanden

 
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